KATHARINA KIEBACHER

Alles aus Versehen
2005
10 framed C-Prints
collaboration with Katja Illner


Was bedeutet Dokumentarfotografie in unserer Zeit, in der das fotografische Bild keinen Anspruch mehr auf
wahrhaftes Abbilden der Wirklichkeit erheben kann? Büsst die Fotografie durch die Digitalisierung eines ihrer
Hauptmerkmale ein, nämlich ihre Wertigkeit als Dokument, als Beweis, wie es in der Welt aussieht? Können
fotografische Bilder noch eingesetzt werden, um auf soziale Missstände aufmerksam zu machen ode hat die
Fotografie als gesellschaftliches Kommunikationsmedium ausgedient? Diese Fragen bilden den Ausgangspunk
des Gemeinschaftsprojektes „Alles aus Versehen“ der beiden Fotografinnen Katja Illner und Katharina Kiebacher.

In Kooperation mit der Roma-Vorschule in Köln-Merkenich sind über den Zeitraum eines Jahres zehn großformatige
Fotografien entstanden, die vom 20. Oktober bis 30. November 2005 in den Räumen des Amtsgerichts Langenfeld
gezeigt wurden. Im Mai 2004 begann die Zusammenarbeit der beiden Fotografinnen mit dem Verein „Kindernöte“, der
in Köln-Merkenich in einem Übergangsheim für Sinti und Roma eine Schule für die dort lebenden Kinder betreibt.
Zusammen mit den Kindern der Schule und ausgerüstet mit Quicksnap-Kameras wurde über mehrere Tage das
Umfeld der Schule fotografisch aufgenommen. So entstanden etwa 100 Bilder, die die Kinder selbstständig, oder
um kleine Aufgaben zu lösen, fotografiert hatten. Dieser Pool an Bildern stellte das Ausgangsmaterial für die beiden
Fotografinnen und die folgende Arbeit dar. Zunächst wurde aus den Bildern der Kinder eine Auswahl von zehn Motiven
getroffen, im nächsten Schritt wurden diese Motive nachgestellt und mit einer Grossbildkamera erneut fotografiert,
wobei die wichtigsten Aspekte inhaltlich und formal verstärkt wurden.

Das Ergebnis dieses Projektes sind die vorliegenden Bilder, an deren Entstehungsprozess unterschiedliche Personen
involviert sind. So sind Bilder entstanden, die ihre Authentizität nicht aus der Fotografie beziehen, sondern aus der
Einbeziehung der Menschen vor Ort. Die Fotos der Kinder zeigten vor allem Freunde, Familie und das direkte Lebens-
umfeld, wie etwa die Wiese vor dem Haus. Sie ähneln damit den privaten Fotos, die wir alle kennen. Durch die Ver-
schiebung der zufällig entstandenen Bildinhalte in ein gleiches jedoch neues, geplantes Bild, war es möglich,
unbeabsichtigt eingeschlichene Bildqualitäten zu präzisieren.